Es ist vor allem die Vertikale, die den Raum des Bildesbestimmt.
Von unten nach oben, von oben nach unten.
Unten hängen Stimmen wie schwebend im Raum – als Gebetsgemurmel steigen sie auf in permanenter Wiederholung – die uralte Litanei des Rosenkranzes.
Seine Perlen finden wir angedeutet, fein aufgereiht als Löcher, Vertiefungen in der Vertikalen und am Ende daran hängend das Kreuz.
Oben eine weiße Wolke schwebend im Raum, senkt sich herab mit ausgebreiteten Schwingen. Die Geistwolkentaube ergießt sich im herab fallenden Lichtstrahl. Sein Schein in der Marienfarbe Hellblau ist eingebettet zwischen Erdenbraun und Himmelsblau.
Dann aber geht der Focus nach rechts, in das Antlitz des Schmerzenmannes. Kantig, direkt, dornengekrönt, so erscheint dieser Christuskopf. Er ist nur zur Hälfte sichtbar und zieht die Betrachterin mit seinem einen Auge doch in seinen Bann, will wahrgenommen, meditiert sein. „…der für uns Blut geschwitzt hat… der gegeißelt worden ist … mit Dornen gekrönt“, so benennen es die schmerzhaften Geheimnisse“ aus dem schmerzensreichen Rosenkranz, auf den sich die rechte Seite der Arbeit bezieht.
Und in dieser Sphäre des Menschlichen, in welcher der Christuskopf wiederum schwebend erscheint, im Holz rechts ist etwas aufgebrochen, ein Riss geht hindurch und es gibt Astlöcher, Wachstumsringe, Spuren von gelebtem Leben.
Doch wie zum Trost ist auch dieser Riss wieder eingehüllt in das Blau der göttlichen Sphäre, die sich unten rechts im Bild noch einmal zu einem stabilen Quadrat verdichtet. Das zerrissene erscheint wie aufgehoben, wie geborgen darin.
Gebet umhüllt die Schmerzen.
(Margarete Monheim) |